Schon vor 40.000 Jahren haben Menschen ein spezielles Werkzeug zur Herstellung von Seilen genutzt. Wie Professor Nicholas Conard und seine Grabungsmannschaft von der Universität Tübingen am Freitag berichteten, wurde bei Ausgrabungen im „Hohe Fels“ auf der Schwäbischen Alb ein gut erhaltenes Exemplar dieses Werkzeugs gefunden. Das sorgfältig geschnitzte Stück aus Mammutelfenbein ist 20,4 Zentimeter lang und diente dazu, Pflanzenfasern zu Seilen zu drehen, wie Tests an der Universität Lüttich in Belgien zeigten.


 
Seile und Schnüre sind für Jäger- und Sammlerkulturen überlebens-wichtig. Dennoch wusste man bislang fast nichts über die Herstellung von Seilen in der Zeit vor 40.000 Jahren. Das Werkzeug aus Mammutelfenbein ist mit vier Löchern von sieben bis neun Millimetern Durchmesser versehen, die jeweils tiefe und sorgfältig ausgearbeitete spiralförmige Einschnitte aufweisen. Diese sind mehr als nur Dekoration. Wurden ähnliche Funde in der Vergangenheit als Hebelgerät, Kunstwerk oder Musikinstrument interpretiert, zeigt das außerordentlich gut erhaltene Werkzeug nun die Funktionalität der Löcher. Ein Archäologenteam um Dr. Veerle Rots konnte an der Universität Lüttich experimentell nachvollziehen, wie damit Pflanzen-fasern zu Seilen gedreht wurden.

 

Das Seilwerkzeug wurde bei Ausgrabungen in der Wohnhöhle der Altsteinzeit in den unteren Schichten aus der sogenannten Aurignacien-Periode gefunden. Wie die berühmten Venus-Figuren und die Flöten aus dem Hohle Fels, stammt das Werkzeug somit aus der Zeit vor 40.000 Jahren, als die ersten modernen Menschen in Europa ankamen. Für die vorher am Hohle Fels lebenden Neandertaler sind solche Funde gänzlich unbekannt. Das neue Artefakt unterstreicht, wie wichtig die Herstellung und Nutzung von Seil und Schnur für die darauf folgenden Jäger und Sammler war, um die Herausforderungen der Eiszeit zu bewältigen.

 


Das Werkzeug zur Seilherstellung wird auch für die Öffentlichkeit zu sehen sein: Ab Samstag, 23. Juli, wird es im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren (urmu) als „Fund des Jahres“ ausgestellt. Seit gut 100 Jahren graben Archäologen der Universität Tübingen bereits in Höhlen auf der Schwäbischen Alb, und seit mehr 50 Jahren präsentiert das Museum die Ergebnisse dieser Arbeit in Blaubeuren.

 

     

 

                                  

Publikation:

Nicholas J. Conard, Maria Malina: „Außergewöhnliche neue Funde aus den aurignacienzeitlichen Schichten vom Hohle Fels bei Schelklingen.“ Archäologische Ausgrabungen in Baden-Württemberg, S. 61-66, 22 Juli 2016.

 

Kontakt:

Prof. Nicholas Conard
Universität Tübingen
Abteilung für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie
Wissenschaftlicher Direktor des Urgeschichtlichen Museums Blaubeuren

The International Guild of Knot Tyers

Die Internationale Gilde der Knotenmacher (International Guild of Knot Tyers - IGKT) ist eine Gemeinschaft von Menschen, die an Knoten und an Knotentechniken aller Art interessiert sind. Wir haben weltweit über eintausend Mitglieder aus allen gesellschaftlichen Schichten, unter anderem Wissenschaftler, Ärzte, Segler, Sportler, Pfadfinder, Zauberer, Bauern, Bergleute und Buchhalter. Die Mitgliedschaft ist offen für jeden mit Interesse am Knotenmachen, gleich ob Experte oder einfach jemand, der von anderen lernen möchte.

 

Die IGKT ist eine bildende, gemeinnützige Organisation und unser Anliegen ist die Förderung der Kunst, des Handwerks und der Wissenschaft der Knoten, deren Studium und praktischen Anwendung, die Erforschung aller Aspekte des Knotenmachens sowie die Errichtung einer maßgeblichen Institution zu Konsultationszwecken. Wir beteiligen uns an öffentlichen Veranstaltungen um die Gilde und ihre Arbeit bekannt zu machen und organisieren nach Verabredung mit interessierten Gruppen Gesprächsrunden und Vorführungen. Wir pflegen untereinander Kontakt durch Korrespondenz und durch regelmäßige Versammlungen und Ausstellungen auf regionaler wie internationaler Ebene.

Die Gilde gibt „Knotting Matters“ heraus, ein vierteljährlich erscheinendes Magazin in englischer Sprache.

Die Internationale Gilde der Knotenmacher Deutsche Sektion e.V.

Im Jahr 2000 traffen sich die deutschen Mitglieder der INTERNATIONAL GUILD OF KNOT TYERS zum ersten Mal in Flensburg um sich untereinander auszutauschen. Danach traf man sich mindestens 1 mal im Jahr an jeweils anderen Orten zu einem gemeinsamen Knotenveranstaltung.  Durch die regelmäßige Teilnahme von Dänischen, Niederländischen, Belgischen, Schwedischen und Ungarische Mitglieder waren diese Treffen von Anfang an auch International. Mittlerweile finden die Treffen bis zu 3 mal im Jahr statt.

Im Jahr 2008 haben sich die meisten Knotenfreunde dafür ausgesprochen einen eigenen Verein als Unterorganisation der IGKT zu gründen. Dieser Verein wurde im Mai 2009 in Flensburg als "INTERNATIONALE GILDE DER KNOTENMACHER DEUTSCHE SEKTION e.V." gegründet.  Sie ist von der englischen IGKT als Teilorganisation anerkannt und beinhaltet gleichzeitig die Mitgliedschaft in der IGKT.

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